Was hat eine sichere Bindung mit Hochsensibilität zu tun?

Auf die Frage, ob Hochsensibilität ein Fluch oder ein Segen ist, antworte ich immer: „Das hängt davon ab, in welchem Umfeld du aufgewachsen bist und wie die Bindung zu deiner Mutter bzw. deinen Eltern war.“

Was hat Bindung mit Hochsensibilität zu tun?

Wie ein hochsensibler Mensch im Erwachsenenalter mit diesem Charakterzug umgeht, hängt ganz stark damit zusammen, welche Möglichkeiten der Strategieentwicklung er im Kindesalter hatte. Das wiederum geht unter anderem einher mit der Bindung zu seinen Eltern. Ein verständnisvolles Umfeld, in dem es einem Kind möglich ist, sein wahres Ich zu leben und sein Potential zu entfalten ist förderlich für seinen Umgang mit dieser besonderen Charaktereigenschaft. Solange ein Kind eine sichere Bindung zu seiner nächsten Bezugsperson (der Einfachheit halber spreche ich in diesem Artikel von der Mutter) hat, hat es mehr Freiraum, sich mit seiner Hochsensibilität zu beschäftigen.

Warum ist das so? Stell dir vor, du hast täglich mit enorm vielen Reizen zu kämpfen und bist quasi ständig mit dir selbst beschäftigt. Wo würdest du dich wohler fühlen? Bei einer Person, die dich nimmt, wie du bist, die dein sicherer Hafen ist und auf die du dich immer verlassen kannst, oder bei einer Person, bei der es sich nicht ganz klar anfühlt, wo du stehst und wie du dich verhalten sollst, um angenommen zu werden. Ganz klare Sache, oder?!

Welche Bindungsarten gibt es?

Bei Studien, in denen Kinder mit einer Trennung von der Mutter konfrontiert wurden, um alleine mit einer fremden Betreuungsperson zurück zu bleiben, konnten diese in bestimmte Bindungstypen eingeteilt werden. Die Bindung zur Bezugsperson kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Meist werden aber folgende vier Bindungsarten beschrieben.

Sicher gebunden

Eine sichere Bindung entsteht, wenn die Eltern dem Kind das Gefühl vermitteln, immer verfügbar zu sein. Dies gelingt durch eine Feinfühligkeit der Eltern, die sich dadurch auszeichnet, dass die kindlichen Signale und Bedürfnisse wahrgenommen werden und prompt und angemessen darauf reagiert wird, wodurch starke Frustration beim Kind vermieden wird.

In der Trennungssituation zeigen diese Kinder deutlich ihre Gefühle, vertrauen aber darauf, dass ihre Mutter zurückkommt und sie nie alleine lassen würde. Die Kinder zeigen eine natürliche Traurigkeit, dass ihre Mama nicht mehr da ist, wissen aber, dass sie wieder kommt. Wenn die Mutter dann erneut den Raum betritt, freuen sich diese Kinder sehr, suchen meist Körperkontakt und lassen sich sehr schnell wieder beruhigen. Die Trennungssituation ist für Kinder eine Stresssituation, weshalb Cortisol (= Stresshormon) ausgeschüttet wird. Bei Rückkehr der Mutter wird dieses aber rasch wieder abgebaut, da durch die Nähe eine adäquate Stressregulierung stattfindet.

Wutausbrüche Vertrauen
Sicher gebundene Kinder lassen sich schnell wieder beruhigen

Unsicher-vermeidend gebunden

Unsicher-vermeidend gebundenen Kindern fehlt die Sicherheit, dass ihre Bindungsperson ständig verfügbar ist. Sie lernen mit der Zeit, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse ignoriert werden bzw. auf Ablehnung stoßen. So ein Bindungsmuster entsteht meist bei Kindern, die häufig Zurückweisung erfahren haben. Dieser belastenden Erfahrung können sie nur durch Beziehungsvermeidung entkommen.

Unsicher-vermeidend gebundene Kinder scheinen unbeeindruckt, wenn ihre Mutter den Raum verlässt. Sie beschäftigen sich normal und scheinen weder ängstlich, noch verärgert über die Trennung. Untersuchungen haben aber ergeben, dass der Cortisolspiegel bei diesen Kindern in der Trennungssituation wesentlich höher ist, als bei sicher gebundenen Kindern. Wenn die Mutter wieder zurückkommt, wird diese meist ignoriert und die Kinder wenden sich eher der Betreuungsperson zu. Die Nähe zur Bindungsperson wird in dem Fall vermieden. Fälschlicherweise wird dieses „nicht reagieren“ auf die Trennung der Mutter oft als positiv bewertet, weil die Kinder dadurch „unabhängig“ wirken.

Unsicher-ambivalent gebunden

Kinder, die unsicher-ambivalent gebunden sind, zeigen sich oft ängstlich und abhängig von der Bindungsperson. Durch den ständigen Wechsel von einmal feinfühligem, dann wieder abweisendem Verhalten der Bindungsperson, reagiert diese für das Kind nicht zuverlässig, nachvollziehbar und vorhersagbar. Das Kind ist ständig damit beschäftigt, herauszufinden, in welcher Stimmung sich die Bindungsperson gerade befindet und wie es sich jetzt verhalten soll, um angenommen zu werden.

Wenn die Mutter den Raum verlässt, reagieren diese Kinder sehr heftig. Die ganze Situation (der Raum, die Betreuungsperson) wird als bedrohlich wahrgenommen. Schon vor der Trennung an sich, zeigen diese Kinder Stress. Wenn die Mutter zurückkommt, klammern sie sich an sie, lassen sich aber von ihr kaum beruhigen. Sie wirken hin- und hergerissen, zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitigem Ärger auf die Mutter. Nachdem in diesem Fall keine adäquate Stressregulierung stattfinden kann, bleibt der Cortisolspiegel erhöht.

unsicher gebunden
Unsicher gebundene Kinder sind Trennungssituationen oft hilflos ausgeliefert

Desorganisiert gebunden

Desorganisiert gebundene Kinder haben meist emotional widersprechende Bindungserfahrungen erlebt. So zum Beispiel, wenn die Bindungsperson teilweise der sichere Hafen ist, teilweise aber auch die Quelle der Angst. Dies ist häufig bei Misshandlung durch die Eltern der Fall. Auf der einen Seite fügt die Bindungsperson dem Kind Gewalt zu, auf der anderen Seite ist diese aber auch die einzige Person, die es versorgt. Desorganisiert gebundene Kinder haben keine Strategien erlernt, mit Trennungssituationen umzugehen. Ihre Angst lähmt sie, vorherrschende Gefühle sind Hilflosigkeit und Kontrollverlust.

In der Trennungssituation zeigen diese Kinder daher oftmals unerwartete und nicht zuzuordnende Verhaltensweisen wie Stereotypien. Einige dieser Kinder rufen nach der Trennung nach der Bindungsperson, vermeiden aber nach Rückkehr den Kontakt zu ihr. Andere reagieren wie gelähmt, drehen sich im Kreis oder lassen sich auf den Boden fallen. Wieder andere erstarren völlig und wirken total verängstigt. Wenn die Bindungsperson, die eigentlich Schutz bieten soll, sowohl das Bindungsverhalten auslöst als auch selbst eine Bedrohung darstellt, gerät das Kind in eine Situation, aus der es keinen Ausweg mehr findet. Klarerweise ist der Cortisolspiegel bei desorganisiert gebundenen Kindern ständig erhöht.

Wie kannst du die Bindung zu deinem Kind stärken?

Wenn du jetzt beim Lesen das Gefühl hast, dass die Bindung zu deinem Kind vielleicht nicht so sicher ist, wie du dir das wünschst, kann ich dich beruhigen. Es ist nie zu spät, an der Bindung zu deinem Kind zu arbeiten. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die Bindung zu stärken. Wichtig ist ein dauerhaft liebevoller Umgang miteinander. Schenke deinem Schatz zwischendurch ein Lächeln oder streichle mal über seinen Rücken. Verbringt viel (positive) Zeit miteinander, indem ihr spielt, Ausflüge macht und einfach viel lacht. In dieser Zeit (bzw. immer dann, wenn du dich mit deinem Kind beschäftigst) achte bitte darauf, dass du dein Handy weglegst und mit deiner Aufmerksamkeit wirklich voll und ganz bei deinem Kind bist. Du darfst ihm auch mal eine kleine Freude zwischendurch bereiten, indem du vom Einkaufen eine Kleinigkeit mitbringst (zB das neue Lego-Heft oder ein kleines Kuscheltier). Das fällt nicht unter „verwöhnen“, sondern unter Bindungsarbeit. Und vor allem – nimm dein Kind in all seinen Bedürfnissen wahr und versuche, angemessen darauf zu reagieren.

Wenn du diese Ideen beherzigst, steht einer sicheren Bindung zu deinem Kind nichts mehr im Wege!

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